• Dr. Mirjam Wagner

Wohin menstruierst Du eigentlich?

Aktualisiert: Aug 3

Irgendwie habe ich mir diese Frage in 35 Lebensjahren und mittlerweile über 8 Jahren als Frauenärztin erst letztes Jahr das erste Mal wirklich gestellt. Von meiner Mutter kannte ich die Binde. Als Teenager brachten mich Bravo und die Werbung auf Tampons. Damit war das Thema für mich erledigt. Seltsam, denn optimal fand ich diese Lösungen für mich nie. Deshalb bin ich vor einem Jahr endlich - für mich und für alle anderen Neugierigen - in die intensive Recherche zum Thema Menstruationsutensilien eingetaucht und habe mich „Blut“-mutig in die Selbsttestung gestürzt.


Hier eine kleine Zusammenfassung meiner Erfahrungen und Erkenntnisse aus Privat- und Berufsleben:

Binden und Slipeinlagen: Die Klassiker Was ist das? Binden und Slipeinlagen gibt es in verschiedene Größen, orientiert an der Stärke der Periode, und mit oder ohne Flügel zur Befestigung. Vorteile:

Bei dieser Variante muss nichts in die Scheide eingeführt werden. Dadurch gibt es keine Probleme mit Scheidentrockenheit oder einer Reizung der Vaginalschleimhaut. Zudem kann man sehen, wie viel man blutet. Das ist gut zu wissen, um seine Periodenstärke und auch –dauer besser einschätzen zu können.


Nachteile:

Es entsteht doch einiges an Müll durch Verpackung und den Binden selbst. Durch das Material kann es zu einem unangenehmen Schwitzen und Reiben im Intimbereich kommen.

Für die, die nichts von ihrer Periode sehen möchten, ist die Binde nicht das Richtige. In nachhaltig:

Binden und Slipeinlagen gibt es mittlerweile auch aus Stoff, in Bio-Baumwolle und wiederverwendbar. Die natürliche Bio-Baumwolle verhindert unangenehmes Schwitzen und Reiben. Diese Binden sind bei 60 Grad waschbar und damit auch hygienisch einwandfrei.

Zudem gibt es die in einer Unterhose integrierte Stoffbinde direkt als Periodenslip im Handel.


Periodenslip: Die Multifunktionsunterhose


Was ist das? Periodenslips sind Unterhosen zumeist aus Biobaumwolle mit integrierte Binde, die aus einer besonders saugfähigen Textilschicht besteht. Die Menstruationsunterhose wird gerade mehr und mehr zum Trend, was ich richtig klasse finde. Es gibt mittlerweile einige Anbieter in Deutschland mit den unterschiedlichsten, wirklich bequemen und sogar sexy Modellen.

Vorteile:

Man hat das Gefühl eine ganz normale Unterhose zu tragen - keine Windel, wie man vielleicht vermuten könnte. Ich muss gestehen, meine schönste Unterhose im Schrank ist tatsächlich aktuell ein Periodenslip. Auch hier produziert man kein bzw. eben vergleichbar wenig Müll bis zu dem Zeitpunkt, wo der Slip ausgedient hat.


Nachteile:

Man sollte sie spätestens alle 8-12 Stunden wechseln und auswaschen, je nach der Periodenstärke versteht sich. Manche Frauen empfinden nach längerer Tragezeit einen unangenehmen Geruch ähnlich wie bei Binden. Die Anschaffungskosten liegen bei um die 25-40 Euro pro Unterhose oder 60-100 Euro pro 3er-Pack - je nach Hersteller*in - vergleichsweise hoch, wobei diese einmalig sind und die Unterhosen lange getragen werden können.


Tampons: Stöpsel rein, alles fein? Was ist das? Tampons bestehen in der Regel aus Viskose, Baumwolle oder einer Mischung aus beiden. Sie werden in die Scheide eingeführt und können mit Hilfe des Rückholbändchens wieder entfernt werden. Vorteile:

Diskret. Saugfähig. Beliebt, wenn man seine Menstruation so wenig wie möglich sehen möchte. Auch zum Sport, Schwimmen oder für die Sauna gut geeignet.

Nachteile:

Tampons können zu Scheidentrockenheit führen und reizen, vor allem an den schwachen Tagen. Sie sollten nicht länger als 4-6 Stunden getragen werden, wegen der Gefahr des Toxischen Schocksyndroms - einer bakteriellen Infektion, die zu einem septischen Schock führen kann. Eine sehr sehr sehr seltene Komplikation, aber im Falle des Falles gefährlich! In nachhaltig:

Tampons gibt es auch in Bio. Ich persönlich empfinde die „Bio-Tampons“ als viel angenehmer im Tragekomfort - auch bei schwachen Tagen. Toll finde ich auch, dass sie in der Regel fair produziert werden und häufig Hersteller Hilfsprojekte mit dem Kauf unterstützen. Menstruationstasse (Moon Cup): Der Silikonbecher Was ist das? Der Moon Cup ist ein kleiner flexibler Silikonbecher. Vor der ersten Benutzung wird er abgekocht. Während der Periode muss er beim Ausleeren nur noch abgewaschen werden. Keime können sich nur schwer an der Silikonwand festsetzen. Zum Einführen wird er zusammengedrückt/gefaltet, mit Wasser oder ggf. Gleitgel befeuchtet und mit der Öffnung nach oben Richtung Gebärmutterhals geschoben - natürlich nur so tief wie angenehm! An dem kleinen Henkel kann er mühelos wieder herausgezogen und alle paar Stunden das Blut ausgewaschen werden. Vorteile:

Sehr nachhaltig! Ich fand es bei meinem Test super spannend, die genaue Menge der Periodenblutung so direkt sehen zu können. Mit Tampon oder Binde überschätzt man die Menstruationsstärke doch eher.

Nachteile:

Das Einsetzen und der Wechsel kann vor allem zu Beginn ungewöhnlich oder ein wenig unangenehm sein. Das schreckt leider die ein oder andere Frau ab, so dass sie den Moon Cup nur kurz ausprobiert. Meiner Erfahrung nach ändert sich diese Missempfindung jedoch nach kurzer Zeit, so dass sich eine längere Test- bzw. Gewöhnungsphase über mehrere Zyklen lohnen kann. Schwamm: Das Tampon aus der Natur

Was ist das? Der Menstruationsschwamm ist ein nachwachsendes Naturprodukt. Vor Benutzung wird er in eine Essig-Wasser-Mischung eingelegt um Keime abzutöten. Danach wird er ausgedrückt und feucht eingeführt. Das Auswaschen mit kaltem Wasser sollte spätestens alle acht Stunden erfolgen. Vollgesogen rutscht er meist bereits von alleine etwas Richtung Vaginalausgang. Er kann aber auch mit einem Rückholbändchen versehen werden, um den Wechsel zu erleichtern. Vorteile:

Wie beim Bio-Tampon, nur in wiederverwendbar. Also eine besonders preiswerte Alternative.

Zudem kann er beim Sex in der Vagina gelassen werden - für einen blutfreien Verkehr.

Man kann ihn sogar auf die individuelle Größe zuschneiden.

Nachteile:

In meinem Berufsleben musste ich den Schwamm hin und wieder bei Frauen entfernen, da er beim Sex ins hintere Scheidengewölbe gerutscht ist und sie ihn nicht mehr selbst heraus nehmen konnten. Das hat mich persönlich etwas abgeschreckt.

Dennoch, er wird seit Urzeiten verwendet und viele Frauen beschreiben ihn als sehr angenehm.

Freie Menstruation: Achtsam frei fließen

Was ist das? Ganz natürlich. Die Frau ist achtsam mit ihrem Körper. Spürt, wann die Gebärmutter sich zusammenzieht und das Blut über den Muttermund läuft. Sie geht auf Toilette und lässt das Blut ab. Alles reine Muskel- und Willenskraft. Krass! Das ist natürlich nicht von Heute auf Morgen gelernt. Dennoch war ich erstaunt, wie schnell und einfach man doch erlernen kann zu spüren, dass der Blutstropfen kommt - wenn man besonders achtsam mit seinem Körper ist.

Vorteile:

Keine Hilfsmittel beziehungsweise Fremdkörper nötig. Die Frauen, welche frei Menstruieren, kennen ihren Körper sehr gut und haben zudem eine klasse Beckenbodenmuskulatur. Bewundernswert!

Nachteile:

Im hektischen Alltag kann das achtsame Reinhorchen in sich selbst und die Gebärmutter schnell verloren gehen. Und dann geht’s in die Hose.

Ich wünschte, ich könnte von mir behaupten, dass ich diese Methode im Alltag beherrsche. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Mittlerweile versuche ich mir bewusst während meiner Menstruation den Terminkalender nicht ganz so voll zu knallen und - wenn es sich gut anfühlt - übe ich frei zu menstruieren. Mein Fazit:

Es gibt viele Möglichkeiten wie und wohin Frauen menstruieren können. Vor allem gibt es tolle nachhaltige Periodenprodukte und Wege, die keinen oder kaum Müll produzieren. Deshalb und weil sie gleichwertige beziehungsweise individuell auch passendere Produkte sein können, dürfen diese noch mehr und lauter in die Öffentlichkeit getragen werden. Die meisten davon gibt es sogar schon ziemlich lange, die traditionelle Binden- und Tamponindustrie ist bisher einfach nur sichtbarer.


Besonders fasziniert bin ich von der freien Menstruation. Ich finde es bewundernswert, wenn Frau es schafft, sich im Alltag so sehr zu spüren und in so direkte Kommunikation mit ihrem Körper zu treten. Das freie Menstruieren werde ich definitiv weiter ausprobieren. Bis ich diese Methode erlernt habe und " Butter bei die Fische", weil es für nicht ganz so einfach ist die freie Menstruation in meinem Alltag zu integrieren, nutze ich sicherheitshalber die Tasse und Menstruationsunterhosen.


Das ist mein Weg. Jede Frau darf für sich selbst herausfinden, wohin und wie sie menstruieren möchte. Hauptsache es fühlt sich gut an.


Und, wohin menstruierst Du eigentlich?




Ärztlicher Disclaimer:

Die Informationen auf dieser Seite dienen ausschließlich zur allgemeinen Information und ersetzen niemals die Beratung und Behandlung durch einen Arzt.

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